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Kreditzinsen in der Marktstörung

publiziert: 
DBJ-Newsletter
Datum: 
2008
Autoren: 

Wie Kreditzinsen im Fall einer Markstörung anzuwenden sind, war seit jeher in den detaillierten Standards für Konsortialfinanzierungen (Eurokreditverträge) festgehalten. Lange Zeit erachtete man diese Bestimmungen für unnötig oder belächelte sie sogar. Im Licht der aktuellen Finanz- und Liquiditätskrise werden diese Klauseln aber jetzt relevant.

Zusammensetzung der Zinsen

Der Zinssatz von Eurokreditverträgen setzt sich regelmäßig zusammen aus dem Refinanzierungszinssatz (also dem Zinssatz, zu dem sich Banken gewöhnlich refinanzieren können), zuzüglich einer Marge und allfälligen bestimmten Kosten.

Bei großen Kreditbeträgen refinanzieren sich die Banken am internationalen Finanzmarkt. Dort werden kurzfristige (bis zu 12 Monate laufende) Eurokredite auf der Basis von EURIBOR (Euro Interbank Offered Rate) oder LIBOR (London Interbank Offered Rate) angeboten. Der EURIBOR ist der wichtigste Referenzzinsatz für kurzfristige Geldanlagen unter Banken in Euro. Er wird von der Banking Federation of the European Union für Ein- bis Dreiwochengelder und Ein- bis Zwölfmonatsgelder am Interbankenmarkt aus den Angeboten ausgesuchter Kreditinstitute für die jeweilige Laufzeit berechnet. Die Veröffentlichung erfolgt über die Reuters-Seite EURIBOR01.

Wann liegt eine Marktstörung vor?

Eine Marktstörung liegt zum einen vor, wenn der Refinanzierungszinssatz für die nächste Zinsperiode nicht festgestellt werden kann. In diesem Fall wird der Refinanzierungszinssatz grundsätzlich aus dem durchschnittlichen Zinssatz der im Kreditvertrag bestimmten Referenzbanken festgelegt.

Um eine Marktstörung handelt es sich aber auch, wenn der angebotene EURIBOR die Refinanzierungskosten einer Bank nicht deckt. Dies ist dann der Fall, wenn eine Bank für ihre Refinanzierung einen Aufschlag auf EURIBOR oder LIBOR bezahlen muss. Derzeit liegt genau diese Art der Marktstörung vor: Denn im Herbst 2008 (insbesondere seit dem Konkurs von Lehmann Brothers) müssen viele Banken für ihre Refinanzierung einen erheblichen Aufschlag auf EURIBOR zahlen – sofern Liquidität am Markt überhaupt erhältlich ist.

Vertragsfolgen

Kreditverträge sehen regelmäßig zunächst (befristete) Verhandlungen über eine alternative Berechnung des Zinssatzes oder eine alternative Refinanzierung vor. Kommt es zu keiner Einigung, so kommt in der Regel eine individuelle Kosten-Plus-Methode zur Anwendung: Jede Konsortialbank teilt dem Agenten ihre individuellen tatsächlichen Refinanzierungskosten mit, die der Kreditnehmer (zuzüglich der anwendbaren Marge) dann zahlen muss. Erachtet der Kreditnehmer den so errechneten Zinssatz für zu hoch, bleibt ihm in der Regel nur die Kündigung (des betreffenden Teils) der Finanzierung.

Würdigung

Banken schützen sich mit diese Bestimmungen davor dass eine Störung des Refinanzierungsmarktes nicht die Marge des Kredits beeinträchtigt, die das Entgelt für das von der Bank übernommene Kreditrisiko darstellt. Für den Kreditnehmer bedeuten diese Bestimmungen, dass eine schlechtere Bonität seines Kreditgebers für ihn zu höheren Gesamtkosten führen kann. (Angehende) Kreditnehmer sind daher gut beraten, auch auf die Bonität ihrer Kreditgeber und der im Vertrag festgelegten Referenzbanken zu achten.

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