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Urlaubshölle statt Ferienparadies? Ansprüche von Reisenden gegenüber Fluglinien oder Reiseveranstaltern

publiziert: 
PRVAnews
Datum: 
2010

Mitten in der Hauptreisezeit stellen sich regelmäßig Fragen rund um Missgeschicke, Hoppalas und enttäuschte Erwartungen. Doch wie kann man sich helfen, wenn der Urlaub nicht wie geplant verläuft? Neben üblichen Ärgernissen wie ausfallende Flüge, Verspätungen und Kofferverlust stehen heuer insbesondere auch Naturereignisse – etwa der Vulkanausbruch in Island oder die Ölpest in Golf von Mexiko und Ägypten – auf der Tagesordnung der Unerfreulichkeiten. In diesem Artikel geben wir Ihnen einen Überblick über die daraus resultierenden Ansprüche und Möglichkeiten.

Stornierte Rückflüge

Die Fluglinien haben in der Vergangenheit eine recht eigenwillige Strategie entwickelt, um Hin- und Rückflüge gemeinsam zu vermarkten: Diese kosteten in Kombination oft weit weniger als getrennt zu buchende Einwegflüge. Diese Praxis ließ Fluggäste oft aus Kostengründen das Paket statt nur den benötigten Hin- oder Rückflug buchen. Manche Fluglinien reagierten früher darauf so, dass sie den Rückflug einfach stornierten, wenn der Hinflug nicht angetreten wurde. Das Handelsgericht Wien hat in einer rechtskräftigen Entscheidung mittlerweile klargestellt, dass diese Praxis sittenwidrig ist: Es muss jedem Reisenden freistehen, welche der gebuchten Flüge er auch tatsächlich in Anspruch nimmt, zumal er ja für die Leistung bezahlt hat. Die Fluglinie ist daher nicht berechtigt, bei Nichtantritt des Hinfluges den Rückflug zu annullieren. Ein Reisender ist also nicht verpflichtet, sämtliche gebuchten Flüge auch tatsächlich anzutreten.

Überbuchung, Annullierung und Verspätung von Flügen

Ein weiteres Flugübel sind Verspätungen, Ausfälle und Überbuchungen. Diesem weit verbreiteten Phänomen soll eine EU-Norm, die den Reisenden schützt, entgegen wirken: Die Fluggastrechte-Verordnung 261/2004 ist anwendbar, wenn der Flug entweder von einem Flughafen in der EU aus angetreten wird oder von einem Drittstaat in die EU erfolgt und von einer Fluglinie mit Sitz in der EU durchgeführt wird. Maßgebend ist der Sitz der tatsächlich ausführenden Fluglinie und nicht jener der Fluglinie, bei der gebucht wurde. Dabei ist unbeachtlich, ob der Flug im Rahmen einer Pauschalreise oder als Einzelleistung gebucht wird. Hin- und Rückflug werden getrennt betrachtet.

Bei Überbuchung oder Annullierung muss die Fluglinie die Kosten für Verpflegung und Unterkunft, Beförderung zum Ort der Unterbringung sowie die Kosten für zwei Telefonate, Faxe oder E-Mails übernehmen. Ist ein Flug verspätet, dann stehen diese Ansprüche nur zu, wenn die Verspätung mehr als zwei Stunden beträgt. Eine mehr als fünf Stunden betragende – und nicht auf höhere Gewalt (wie Vulkanausbrüche oder Hurrikans) zurückzuführende – Verspätung berechtigt den Reisenden, auch die Erstattung des Flugpreises zu verlangen, wenn er den Flug nicht mehr antritt. Dieser Anspruch muss binnen sieben Tagen geltend gemacht werden. Die Rückvergütung kann in Form von Reisegutscheinen oder anderen Dienstleistungen erfolgen, sofern der Fluggast sich damit schriftlich einverstanden erklärt.

Bei Überbuchung muss die Fluglinie vordringlich versuchen, Freiwillige zu finden, die auf ihren Flug verzichten und ein Ersatzangebot annehmen. Darüber hinaus besteht kein weiterer Anspruch auf Betreuungs- oder Ausgleichsleistungen. Wird ein Upgrade in eine höhere Klasse angeboten, darf kein Zuschlag verrechnet werden. Nehmen zu wenige Reisende die angebotene Ersatzleistung an, kann die Fluglinie die Beförderung der überzähligen Gäste verweigern. Den gestrandeten Passagieren ist dann aber der Ticketpreis zurück zu erstatten oder für eine anderweitige Beförderung unter vergleichbaren Bedingungen zu sorgen.

Ausgleichsleistungen

Zusätzlich hat der Fluggast im Fall der anderweitigen Beförderung einen Anspruch auf Auszahlung einer Ausgleichsleistung von bis zu EUR 600, und zwar unabhängig vom ursprünglichen Ticketpreis. Die tatsächliche Höhe richtet sich nach der Entfernung und Dauer der Verspätung, die sich durch die anderweitige Beförderung ergibt. Derselbe Ausgleichsanspruch gilt auch bei Annullierungen, die von der Fluggesellschaft zu vertreten sind. Erfolgt der Flugausfall wegen höherer Gewalt (wie etwa durch Vulkanasche), und hat die Gesellschaft alle zumutbaren Maßnahmen getroffen, um das Ereignis zu verhindern, entfällt die Ausgleichzahlung. Gleiches gilt, wenn der Fluggast zeitgerecht über die Verlegung informiert und ihm ein Ersatzangebot gemacht wurde. Erfolgt die Information über die Verschiebung mindestens 14 Tage vor dem geplanten Abflug, gibt es keine Vorgaben für die Flugzeiten des Ersatzangebotes. Der Anspruch auf Ausgleichsleistung entfällt jedenfalls. Erfolgt die Information dagegen sieben bis 14 Tage vor dem geplanten Abflug, so dürfen die ersatzweisen Flugzeiten nicht mehr als zwei Stunden vor dem geplanten Abflug und nicht mehr als vier Stunden nach der geplanten Ankunft liegen – andernfalls gebührt die Ausgleichsleistung doch. Wird der Fluggast weniger als sieben Tage vor dem ursprünglich geplanten Abflug über die Annullierung informiert, dürfen die Zeiten des Ersatzfluges nicht mehr als eine Stunde vor dem Abflugtermin und nicht mehr als zwei Stunden nach der Ankunftszeit liegen.

Ansprüche bei Hurrikan-Warnung

Im Urlaubsort angekommen, bietet sich manch Reisendem leider nicht die lang herbeigesehnte Erholung. Ein aufgrund der Wetterkapriolen immer häufigeres Thema sind die zudem heftiger werdenden Wirbelstürme. Bei Buchung einer Pauschalreise in ein Hurrikan-Gebiet ist der Reiseveranstalter und subsidiär das Reisebüro (als Vermittler und Erfüllungsgehilfe des Reiseveranstalters) verpflichtet, den Kunden gegebenenfalls über eine saisonbedingt erhöhte Hurrikangefahr aufzuklären. Gleiches gilt für sonstige Naturereignisse, Unruhen oder ähnliche Gefahren. Ausreichend ist aber schon die Aushändigung eines Kataloges über das Urlaubsziel, in dem auf diese Gefahren hingewiesen wird. Verwirklichen sich die bekannten Gefahren und wurde eine entsprechende Warnung unterlassen, haftet der Veranstalter für etwaige angefallene Zusatzkosten sowie für die entgangene Urlaubsfreude (OGH 29.9.2009, 4 Ob 130/09k). Selbst wenn die Hurrikangefahr im gewählten Urlaubsort allgemein bekannt ist, darf nicht davon ausgegangen werden, dass ein durchschnittlicher Reisender über die Dauer und Details des Wetterphänomens Bescheid weiß.


Ölpest und sonstige Unannehmlichkeiten

Der heurige Sommer wird leider auch von zwei weitreichenden Ölkatastrophen getrübt. Monatelang war es nicht möglich, das Bohrloch im Golf von Mexiko abzudichten. Auch in Ägypten kam es zu ähnlichen Problemen. Durch den Ölaustritt und der damit einhergehenden Verschmutzung der Strände kam und kommt es auch zu enormen Auswirkungen auf den Tourismus. Der Wegfall der Bademöglichkeit ist bei Buchung einer Badereise jedenfalls ein wesentlicher Mangel. Ist das der Fall, kann der Reisende wegen Wegfall der Geschäftsgrundlage entweder kostenlos vom Vertrag zurücktreten oder Preisminderung verlangen, wenn die Reise bereits angetreten wurde. Wichtig ist dabei, den Missstand vor Ort zu protokollieren und den Reiseveranstalter vor Ort zu kontaktieren. Wurde die Reise noch nicht angetreten, kann der verhinderte Reisende auch vorab den Vertragsrücktritt schriftlich unter Darlegung der Gründe erklären. Er muss also nicht sehenden Auges in einen verpatzten Urlaub fliegen. Ein Rücktritt setzt aber voraus, dass die voraussichtliche Beeinträchtigung zumindest wahrscheinlich ist, sich konkret auf das gebuchte Urlaubsziel bezieht und die Entwicklung bis relativ kurz vor Reiseantritt abgewartet wird. Ein zumutbares Umbuchungsangebot des Reiseveranstalters muss der Reisende aber akzeptieren. Dabei ist insbesondere auf einen vergleichbaren Reisezeitraum und Preis zu achten.

Weitergehende Schadenersatzansprüche gegen den Reiseveranstalter bestehen in dieser Konstellation nicht, außer er hat die vorliegenden Umstände trotz Kenntnis verschwiegen.

Weichen andere Urlaubsleistungen von den Versprechungen des Reiseveranstalters bzw. der Beschreibung des Arrangements im Katalog ab, kann der Reisende Gewährleistungsansprüche geltend machen, aber auch Schadenersatz (etwa für entgangene Urlaubsfreude) verlangen, wenn das Verschulden beim Veranstalter lag. Die "Wiener Liste" – das Pendant zur Frankfurter Reisemängelliste - gibt basierend auf der Rechtsprechung einen guten Überblick, welcher Missstand zu welchen Rückvergütungen berechtigt. Auch hier gilt wieder, dass etwaige Mängel gut zu dokumentieren sind, damit sie im Streitfall belegt werden können.

Verlust, Zerstörung oder Beschädigung von Reisegepäck

Auch der Verlust von Reisegepäck gehört leider zur Sommerzeit wie Gelsen und manchmal zu heiße Nächte. Es ist natürlich ärgerlich, wenn man auf einer griechischen Insel ankommt und wegen des Verlusts des Gepäcks nichts außer zu warmer Kleidung, die man gerade am Leib trägt, zur Verfügung hat. Nicht minder bitter ist es, nach einem wunderbaren Shoppingaufenthalt in London bange Stunden auf sein Gepäck zu warten.

Je nachdem, ob der Flug im Rahmen einer Pauschalreise oder als Einzelleistung direkt bei der Fluglinie gebucht wurde, ist der Reiseveranstalter oder die (sowohl vertragliche als auch ausführende) Fluglinie für das Gepäck verantwortlich. Bei aufgegebenem Gepäck besteht die Haftung verschuldensunabhängig, bei Handgepäck besteht ein Anspruch auf Entschädigung nur, wenn die Fluglinie den Verlust oder die Beschädigung verschuldet hat. In jedem Fall sind Ersatzansprüche (auch bei Verspätung) auf umgerechnet etwa EUR 1.170,- limitiert. Von diesem Betrag sind sowohl materielle als auch immaterielle Schadenersatzansprüche erfasst. Werden höherwertige Gegenstände im Reisegepäck transportiert, sind sie bei Gepäckaufgabe anzugeben. Die Fluglinie ist diesfalls aber berechtigt, Zuschläge für den Transport in Rechnung zu stellen.

Entwarnung zum Abschluss

Trotz der möglichen Gefahren und Ärgernisse bei Reisen sollten wir uns nicht davon abhalten lassen, unseren Horizont durch Begegnungen mit fremden Kulturen zu erweitern oder einfach nur an einem anderen Ort zu entspannen. Denn sollte es doch einmal anders kommen als geplant, steht der Reisende nicht schutzlos dar.

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